Langzeittest: Skoda Octavia Combi 3 5E 2.0 TDI 4×4 Elegance 6-Gang

Mein Langzeittest mit einem Skoda Octavia Combi 3 5E 2.0 TDI 4×4 Elegance wird zeigen, warum dieser Kombi der wohl derzeit beliebteste in diesem Segment ist.

Octavia 3 – Probefahrt & Alternativangebote

Aus beruflichen Gründen stand die Anschaffung eines Firmenwagens auf dem Plan. Mein bisheriger und immer zuverlässiger Begleiter (BMW 120d) hatte von mir bereits über 200.000km auf die Uhr gefahren bekommen. Ich bin mir zwar bis heute sicher, dass er auch noch die 300.000km Marke mit mir geknackt hätte, ohne große Probleme zu machen, aber vom Raumvolumen und Reisekomfort musste ein Upgrade stattfinden. Ein bisschen vermisse ich den sportlichen Einser, mit Fahreigenschaften eines etwas überdimensionalen Go-Karts aber nach wie vor. Tolles Auto.

Kurz um: Die Suche nach einem Kombi begann. Finanziell stand auf jeden Fall etwas mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis im Raum. Ich bin zwar Auto-Fan, aber bei geschäftlichen Fahrzeugen achte ich eher auf den praktischen Nutzen, als auf tolles Design oder teure Ausstattung, die ich nicht brauche.

Sehr schnell bin ich dann beim damals neuen Skoda Octavia 3 gelandet. Der Vorgänger war und ist auch heute noch ein empfehenswerter Pampersbomber zum Einstiegspreis. Also: Probefahrt angefragt und einen Octavia 2.0 TDI DSG zur Verfügung gestellt bekommen. Auf den ersten 2km stellte sich sofort heraus, dass der 150 PS Diesel mit dem DSG überraschend flott vorwärts zieht – doch Vorderreifen & Traktionskontrolle versuchen fast hilflos Grip aufzubauen. Auf nasser Fahrbahn natürlich noch viel schlimmer. Dort zeigte sich bis in den 3., stellenweise auch 4. Gang, währender Traktionsverlust. Dazu muss ich natürlich erwähnen, dass das Antippen vom Gaspedal überhaupt keine Stärke von mir ist – kann ich nicht. Unter Halbgas geht gar nichts. Denn wer flott beschleunigt, erreicht schneller seine gewünschte Reisegeschwindigkeit und spart dadurch mehr Sprit – und es macht mehr Spaß, logisch.

Die Innenausstattung entsprach meinen Vorstellung von Pragmatismus. Alcantara-Sitze mit seitlichem Kunstleder aus der Serienausstattung fanden meinen Zuspruch, zudem ich sowieo kein Freund von Vollleder bin. Im Winter schmerzhaft kalt an den Nieren und im Sommer brennend klebrig heiss. Die Meinungen gehen hier natürlich auseinander – dürfen sie auch. Das eingebaute große Infotainment-System Amundsen empfand ich entwas zu groß, weswegen ich mich zum kleineren Bolero orientierte.

Alles in allem fand ich mit dem Skoda Octavia 3 das richtige Fahrzeug für die nächsten 3 Jahre.

Selbstverständlich hatte ich mir Alternativangebote mit ähnlicher Ausstattung für den Audi A4 Avant und den VW Golf Variant erstellen lassen. Hier muss ich vermutlich nur dem Nichtkenner sagen, dass die wesentlich teurer waren. Somit ging der Auftrag an Skoda, genauer das Autohaus Schauerte (heute Tochter der Tiemeyer Gruppe).

Bestellung & Auslieferung

Im Januar 2014 habe ich das Fahrzeug bestellt (Gewerbeleasing mit Full-Service & Vollkaskoversicherung). Der Listenpreis inklusive MwSt. lag bei aufgerundeten 34.275 EUR. Neben der Serienausstattung mit Leder-Alcantara-Sitzen (absolute Empfehlung!) in der Elegance Variante mit 4×4 Allrad-Antrieb gesellten sich noch:

  • Abnehmbare Anhängerkupplung
  • Ausstattungspaket Ablage
  • Ausstattungspaket Licht & Design II (adaptives Bi-Xenon mit LED-Tagfahrlicht)
  • Beheizbare Vordersitze
  • Beheizbare Winschutzscheibe
  • CANTON Soundsystem
  • Fahrprofilauswahl (Fahrmodi Eco, Normal und Sport)
  • Frontradarassistent
  • Infotainmentpaket Bolero (bedingt empfehlenswert; dazu folgend mehr)
  • Parksensoren vorn (hinten war Serie)

Die Auslieferung beim Händler erfolgte fast genau 3 Monate später im April. Ein paar Unterschriften, Schlüsselübergabe und schon war die Sache erledigt. Den Anmeldeservice beim Strassenverkehrsamt habe ich natürlich gerne in Anspruch genommen. Da muss man ja heutzutage schon fast ein Zelt für etwaige Übernachtungen mitbringen… 🙂

3 Jahre, 60000km später – Positives & Negatives

Vorweg: Jeder, der mich fragt, dem sage ich grundsätzlich das gleiche: Der Octavia 3 Combi (5E) ist ein gutes Auto, dessen Preis-Leistungsverhältnis etwaige Kompromisse absolut unantastbar macht – kann man das so sagen? Zumindest so ähnlich meine ich es: „Mehr Auto für das Geld bekommst du derzeit nicht“.

Positives über den Octavia III

Man könnte an dieser Stelle nun viele Worte fließen lassen, doch um Euch nicht all zu sehr die Zeit zu stehlen, liste ich die meiner Meinung nach wichtigsten Dinge einfach mal auf.

  • Motor: Der 2.0 TDI mit 150 PS ist durchzugsstark und sehr zuverlässig. Mit Hilfe von Softwareoptimierung lässt sich das Aggregat übrigens problemlos auf ca. 185 PS und 400 Nm Drehmoment bringen. Den 2.0 TDI mit 184 PS ab Werk konnte ich im Januar 2014 leider nicht bestellen. Beim Spritverbrauch bin ich hier definitiv nicht der Maßstab. 7,6l /100km im Allzeitdurchschnitt sind bei Allrad-Antrieb aber absolut vertretbar. Bei Vollgasfahrten gehts auch auf über 8l – Autobahnfahrten in der Langstrecke bei gemäßigter Geschwindigkeit mit Tempomat kann man auch mit 6,5l absolvieren. Ist mir aber zu langweilig 😉
  • Antrieb: 6-Gang-Handschaltung wa leider die einzige Möglichkeit. In Kombination mit dem für mich sehr wichtigen 4×4-Antrieb war das DSG-Automatikgetriebe nicht bestellbar. Die Schaltwege sind aber soweit OK. Als sportlich kann man sie aber definitiv nicht bezeichnen. Der Allradantrieb tut, was er soll: Er bringt bestmöglich die Kraft an alle 4 Räder. Um die Traktionskontrolle zu fordern, muss man es bewusst drauf anlegen. Mit guten Winterreifen sind selbst die oftmals sehr schneebedeckten Straßen und Bergfahrten im Sauerland ein toller Spaß. Uneingeschränkte Empfehlung!
  • Platzangebot & Komfort: Wer schon mal drin gesessen hat und andere Kombis aus der Sparte kennt, der weiss, dass der Octavia Combi super viel Platz bietet – für 5 Personen mit Gepäck. Beinfreiheit auf der Rückbank ist vorbildlich. Nur der große Bruder Superb kann das übertreffen. Langstreckenfahrten bereiten keine Probleme. Das Fahrzeug federt komfortabel alle durchschnittlichen Unebenheiten beiseite, allenfalls hört man etwas. Als Dienstwagen für Außendienstmitarbeiter oder Familien allgemein ideal.
  • Technik: Infotainment, Navigation, Medienwiedergabe (auch MP3s per USB immer problemfrei), Freisprechanlage, Frontradarassistent (Auffahrschutz), Klimaanlage, Sitzheizung, Frontscheibenheizung, BI-Xenon mit adaptivem Kurvenlicht, … alles funktioniert, wie es soll. Das kleine ABER kommt unten.
  • Frontradar-Asisstent: Wenn er aktiv war, funktionierte er super. Man gewöhnt sich übrigens dran, dass er aufpasst. Somit schaut man durch die Weltgeschichte und oft reißt einen dann der erste Warnton aus der seitlichen Neugier, der den rechten Fuß sofort instinktiv auf die Bremse treten lässt – und, wenn man seiner Meinung nach nicht stark genug bremst, das Pedal unter einem tiefer zieht und den Prozess beherzt verstärkt. Gute Sache. Deshalb mit diesem Fahrzeug nie einen Auffahrunfall gehabt. Die Vorgängerautos können das leider nicht behaupten.

Negatives – auch wenn es nur Kleinigkeiten sind

Motor, Getriebe und Antrieb haben nie für Ärger gesorgt. Auch bei hohen Minustemperaturen ist der Diesel, wenn auch üblich nagelnd, stets angesprungen und hat mich ohne Einschränkungen immer zum Ziel gebracht.

  • Infotainment Bolero: Ja, das hat mich ca. 2,5 Jahre geärgert. In diesem Punkt hab ich an der falschen Stelle gespart. Dabei liegt es jedoch nicht am kleineren Bildschirm, sondern mehr an der Leistung bzw. mangelhaften Leistung. Das Gerät braucht im Vergleich zum größeren Amundsen mehr Zeit. Vor allem das Navigationssystem benötigte oftmals bis zu 5 Minuten ab Fahrzeugstart, bis es einsatzfähig war und die Zielführung ausgeführt wurde. Es suchte, lud und suchte wieder und lud und lud… Wer als Außendienstmitarbeiter mal ganz fix los muss und an einem Punkt startet, wo man die Fahrtrichtung aus Mangel an Orts-/Regionkenntnissen nicht weiß, muss sich sehr in Geduld üben. Hier empfehle ich definitiv drauf zu achten, das große Infotainmentsystem zu wählen – insofern man Wert auf Schnelligkeit legt. Allen anderen reicht auch das kleine Bolero-System. Obendrein war ich 2-3x war ich in der Werkstatt, weil das Radio eigenwillig die Sender wechselte oder über Nacht die gespeicherten Plätze einfach löschte. Letzteres ist nach Softwareupdates nicht mehr passiert, das automatische Wechseln durch die Sender aber immer mal wieder. Grund unbekannt.
  • Sitzhöhe: Kleinigkeit, aber die Sitztiefe konnte noch etwas mehr hergeben. Mit meinen 1,82m bin ich nicht unbedingt der längste Deutsche. Wenn man aufrecht sitzen möchte, schaut man unterdessen auch schon fast an die Sonnenschutzblende. Über die Verstellung nach hinten und die Lehne ebenso etwas tiefer, kommt man dann auch ganz gut klar. Richtig optimal empfand ich es aber nie so ganz. Wie gesagt, Kleinigkeiten.
  • Frontradar-Assistent: Wie gesagt, wenn er aktiv war, ideale Hilfe. Leider ist das System in den 3 Jahren schätzungsweise 5-6x ausgefallen, meist während der Fahrt. Nach dem ersten Male wurde das System dann in der Werkstatt ausgetauscht (Zündung aus, wieder ein half nicht). Was genau gemacht wurde weiß ich nicht im Detail. Es wurden aber Sensoren und Software erneuert. Dauerte 4 Werktage… Folgend waren die Ausfälle sporadisch nach Lust & Laune des Systems. Motor aus und wieder an, schon war er wieder einsatzfähig. Kleinigkeit, aber dennoch weniger erfreulich. Rate dennoch dazu!

Das war’s auch schon. Alle Beanstandungen wurden im Rahmen der Fahrzeuggarntie abgewickelt. Zusatzkosten gab es somit nicht. Auch die Ersatzwagen blieben stets kostenfrei (dies kann aber auch an der Werkstatt liegen).

Fazit:

Auch nach 3 Jahren war ich mit meiner Entscheidung zufrieden – eben bis auf die Wahl des Bolero-Infotainment. Daher nochmal wiederholt: „Mehr Auto für das Geld bekommst du derzeit nicht“.

Beim Facelift-Modell könnte das eventuell schon etwas anders sein – reine Vermutung. Denn der Octavia ist im Preis merklich gestiegen. Im Vergleich zu einem besonderen Geschäftskunden-Angebot eines deutschen Premiumherstellers, lag das Verhältnis beim Octavia leider etwas ungünstig. Insofern habe ich mich beim Nachfolger nicht mehr für das neue Modell entschieden. Obendrein gefallen mir die geteilten Frontscheinwerfer am Facelift-Octavia auch irgendwie gar nicht.

Nichts desto trotz: Der Octavia 5E ist auch als Gebrauchtfahrzeug eine ganz klare Empfehlung!

PS: Hatte als Ersatzwagen mal den 1.8 TSI mit 180 PS. Der Motor kann definitiv auch was und macht wirklich Spaß!

 

Foto: revoc9 / 123RF

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